Aufsicht StBK · § 57 StBerG · KI-VO Art. 4
EU AI Act für Steuerberater: Art. 4 KI-VO, DATEV-KI und § 57 StBerG
Die KI-Verordnung (EU 2024/1689) wirkt seit dem 02.02.2025 für jeden Steuerberater, der ChatGPT, DATEV-KI oder andere KI-Tools einsetzt. Verschwiegenheit nach § 57 StBerG, Mandatsdaten in US-Clouds und das KI-Verzeichnis sind die Pflicht-Themen — der rechtliche Stichtag für Hochrisiko-Pflichten ist der 02.08.2026; nach der Trilog-Einigung zum Digital Omnibus on AI vom 7. Mai 2026 ist eine Verschiebung auf 02.12.2027 vorgesehen (formelle Annahme steht aus).
Nächster Stichtag: 02.08.2026 (Anhang III)
Art. 4 (Kompetenznachweis) ist seit 02.02.2025 verbindlich. Der rechtlich verbindliche Stichtag für die Hochrisiko-Pflichten nach Anhang III ist der 02.08.2026; die Trilog-Einigung zum Digital Omnibus on AI vom 7. Mai 2026 (COREPER-Bestätigung 13.05.2026) sieht eine Verschiebung auf 02.12.2027 vor — wirksam erst mit formeller Annahme durch Parlament und Rat. Für Steuerberater praktisch relevant bei Mandanten-Bonitäts-Scoring (Anhang III Nr. 5b) und KI-gestützten Beschäftigungs- Entscheidungen (Nr. 4).
- Seit 02.02.2025: Art. 4 Kompetenznachweis + Art. 5 verbotene Praktiken
- Seit 02.08.2025: GPAI-Pflichten und Sanktions-Rahmen Art. 99
- Ab 02.08.2026: Hochrisiko-Pflichten Anhang III (nach Omnibus voraussichtlich 02.12.2027)
Anhang III · Rechtlicher Stichtag - 02. August 2026
Ursprünglicher Geltungsbeginn der Hochrisiko-Pflichten (KI-Verzeichnis, Risikomanagement, Human Oversight, Logging). Trilog-Einigung vom 7. Mai 2026: voraussichtliche Verschiebung auf 02.12.2027 — formelle Annahme steht aus. Wer das KI-Inventar bis dahin nicht hat, hat ein StBK- und Bußgeld-Risiko.
4 KI-VO-Pflichten, die jede Kanzlei trifft
Jeder Steuerberater, der KI einsetzt, ist Betreiber im Sinne der KI-VO. Damit greifen vier zentrale Pflichten — gestaffelt in Wirksamkeit.
Art. 4 KI-Kompetenz
Dokumentierte Schulung aller MA mit KI-Kontakt. Inhalt + Teilnehmer + Datum + Wiederholung.
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KI-Verzeichnis + VVT
Strukturiertes Inventar aller KI-Tools mit Owner, Risikoklasse, AVV-Status. DSGVO-VVT ergänzt.
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Anhang-III-Klassifizierung
Prüfen, ob eingesetzte KI als Hochrisiko-System gilt (Nr. 4 Beschäftigung / 5b Bonität).
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Output-Kennzeichnung
Art. 50: Transparenz bei KI-generierten Inhalten gegenüber Mandanten + Behörden.
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Bußgelder + berufsrechtliche Konsequenzen
Die KI-VO sieht Bußgelder bis zu 35 Mio. EUR oder 7 % des Welt- jahresumsatzes vor. Für KMU greift Art. 99 Abs. 6 — jeweils der niedrigere Schwellenwert. Bei einer 5-MA-Kanzlei mit 1,2 Mio. EUR Umsatz liegt das maximale Hochrisiko-Bußgeld bei 36.000 EUR (3 % von 1,2 Mio.). Die berufsrechtlichen Konsequenzen über die StBK sind oft das größere Risiko.
KI-VO (Art. 99)
- • 35 Mio. EUR / 7 % bei verbotenen Praktiken
- • 15 Mio. / 3 % bei Hochrisiko-/Transparenz-Verstößen
- • 7,5 Mio. / 1 % bei Falschangaben ggue. Behörden
Berufsrecht (StBerG § 90 ff.)
- • Rüge, Verwarnung
- • Geldbuße bis 50.000 EUR
- • Berufsverbot 1-5 Jahre
- • § 203 StGB-Strafverfahren bei Verschwiegenheits-Bruch
Quellen: Art. 99 Verordnung (EU) 2024/1689; § 89-90 StBerG; § 203 StGB. Vollständige Belege in unserer Research-Basis (steuerberater.md, Sektion 3).
7-Schritte-Fahrplan in 15 Werktagen
Wie wir Steuerkanzleien von Null auf KI-VO-Konformität bringen.
- 1
KI-Inventur
Tag 1-2
Alle KI-Tools listen — von DATEV-Modulen bis M365 Copilot. Pro Tool: Zweck, Datenfluss, Anbieter.
- 2
AVV + GVV-Prüfung
Tag 3-5
Auftragsverarbeitungsverträge + Geheimhaltungs-Vereinbarungen pro Anbieter. § 62a StBerG.
- 3
Kompetenz-Schulung
Tag 6-10
Schulungs-Curriculum gegen die Kanzlei-Tools, dokumentierte Teilnahme aller MA mit KI-Kontakt.
- 4
KI-Verzeichnis aufsetzen
Tag 11-12
Strukturiertes Inventar mit Owner pro Tool, Risikoklasse, AVV-Status, Review-Datum.
- 5
DSGVO-VVT aktualisieren
Tag 13
KI-Verarbeitungen ergänzen, Zweck + Empfänger pro Tool, ggf. DSFA (Art. 35) anstossen.
- 6
Output-Kennzeichnung etablieren
Tag 14
Mandatsvereinbarung-Klausel + interne Regel, wann KI-Hinweis im Schriftsatz erscheint.
- 7
Audit-Mappe konsolidieren
Tag 15
Alle Nachweise prüfbar zusammenfassen: bei StBK-Anfrage in 24h verfügbar.
Häufige Fragen aus der Steuerberater-Praxis
Bin ich als Steuerberater vom EU AI Act betroffen, wenn ich nur DATEV-KI oder ChatGPT nutze?
Ja. Sobald Sie ein KI-System in Ihrer Kanzlei einsetzen — und sowohl DATEV-KI-Module als auch ChatGPT/Claude sind genau solche Systeme — sind Sie Betreiber im Sinne der KI-VO (Art. 3 Nr. 4). Damit greift seit 02.02.2025 Art. 4 KI-VO: jeder Mitarbeitende mit KI-Kontakt muss über ein angemessenes Mass an KI-Kompetenz verfügen, dokumentiert nachweisbar. Die Pflicht ist unabhängig von Häufigkeit oder Umfang der Nutzung.
Ist ChatGPT mit Mandantendaten überhaupt erlaubt? Was sagt § 57 StBerG?
Klare Antwort: ChatGPT Free / ChatGPT Plus mit Mandantendaten ist berufsrechtlich kritisch. § 57 StBerG verlangt unbedingte Verschwiegenheit; § 62a StBerG regelt die Datenverarbeitung — beides ist nur mit qualifizierter Geheimhaltungs-Vereinbarung (GVV) nach § 203 Abs. 4 StGB und ordnungsgemäßer Auftragsverarbeitung (DSGVO Art. 28) gegeben. Default-ChatGPT erfüllt das nicht. Realistisch geht nur: Enterprise-Tarife mit EU-Daten-Boundary, individuell unterzeichneter GVV/AVV, dokumentierte Risikobewertung. Verstoß kann § 203 StGB-strafbar sein.
Sind DATEV-KI-Module rechtssicher? Was muss ich als Betreiber dokumentieren?
DATEV stellt für ihre KI-Module Auftragsverarbeitungsverträge bereit; trotzdem bleibt die Kanzlei Betreiber im Sinne der KI-VO. Pflichten der Kanzlei: KI-Verzeichnis (welche Module sind aktiv, mit welchem Zweck), dokumentierte Schulung der nutzenden Mitarbeiter (Art. 4), DSGVO-VVT-Eintrag mit Zweck + Empfängern, ggf. Datenschutz-Folgenabschätzung (Art. 35 DSGVO). DATEV-Materialien (Webinare, Whitepaper) sind eine gute Schulungs-Grundlage, ersetzen aber nicht die kanzleieigene Dokumentation.
Was sind die nächsten KI-VO-Stichtage für Steuerberater?
02.02.2025 (läuft): Art. 4 KI-Kompetenznachweis und Art. 5 verbotene Praktiken sind anwendbar. 02.08.2025 (läuft): GPAI-Pflichten und Sanktions-Rahmen (Art. 99) wirken. 02.08.2026 (rechtl. Stichtag): Hochrisiko-Pflichten Anhang III — für Steuerberater praktisch relevant bei Mandanten-Bonitäts-Scoring (Anhang III Nr. 5b) oder KI-gestützten Beschäftigungs-Entscheidungen (Nr. 4). Nach der Trilog-Einigung zum Digital Omnibus on AI vom 7. Mai 2026 (COREPER-Bestätigung 13.05.2026) ist eine Verschiebung auf 02.12.2027 vorgesehen — formelle Annahme durch Parlament und Rat steht aus. KI-Verzeichnis und dokumentierte Schulung nach Art. 4 sind unabhängig davon Pflicht.
Wie hoch sind die Bußgelder bei einem 5-MA-Steuerbüro realistisch?
Der theoretische Rahmen geht bis 35 Mio. EUR oder 7 % Weltjahresumsatz bei verbotenen Praktiken (Art. 99 Abs. 3); 15 Mio. / 3 % bei Hochrisiko-/Transparenz-Verstößen; 7,5 Mio. / 1 % bei Falschangaben. Bei KMU greift Art. 99 Abs. 6: jeweils niedrigerer Schwellenwert. Beispielrechnung 5-MA-Kanzlei mit 1,2 Mio. EUR Umsatz: maximales Hochrisiko-Bußgeld 3 % von 1,2 Mio. = 36.000 EUR. Realistisch ist bei Erstverstoß eine Anordnung zur Nachbesserung oder eine deutlich niedrigere Summe — aber die berufsrechtlichen Konsequenzen (StBK-Rüge, Geldbuße bis 50.000 EUR, im Wiederholungsfall Berufsverbot) sind oft das größere Risiko.
Was ist mit der BStBK / dem DStV — gibt es offizielle Vorgaben?
Die Bundessteuerberaterkammer (BStBK) hat im Januar 2026 einen FAQ-Katalog zur KI-Nutzung veröffentlicht (Stand 27.01.2026, Rechtsstand Juli 2025). Der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) hat eine Muster-KI-Anwendungsrichtlinie publiziert. Beide Dokumente sind hilfreich, ersetzen aber nicht die kanzleieigene Pflicht-Dokumentation nach Art. 4 KI-VO und DSGVO. Auf Landeskammer-Ebene laufen ergänzende Fortbildungs-Angebote über das Fachberater-Institut und die IFU-Steuer-Akademien.
Welche KI-Schulungs-Anbieter sind StBerG-konform?
Anerkannte Optionen: Fachberater-Institut des DStV (KI-Module 2025/2026 in Pflichtstunden anrechenbar), IFU-Steuer-Akademie, Akademie der Steuerberater (Landeskammer-spezifisch), AI SEALS, Endriss (Zertifizierter KI-Experte Steuer/Rechnungswesen). Wichtig ist nicht der Anbieter, sondern dass die Schulung die KI-VO-Achsen (Art. 4 Kompetenz, Art. 5 verbotene Praktiken, DSGVO, §57 StBerG) konkret zu Ihrer Kanzlei-Toolchain abdeckt — und dass Teilnehmer + Datum + Inhalt nachweisbar sind.
Was bedeutet 'KI-Verzeichnis' konkret in einer Steuerkanzlei?
Eine strukturierte, fortlaufend gepflegte Liste aller eingesetzten KI-Systeme. Pro System: Bezeichnung (z.B. DATEV KI-Assistent v3, ChatGPT Team, M365 Copilot), Zweck (z.B. Belegerkennung, Mandanten-Korrespondenz, Lohnabrechnung), eingesetzte Datenklassen (z.B. Mandanten-PII, Lohn-Daten), Risikoklasse nach KI-VO, Owner in der Kanzlei, AVV-Status, Schulungs-Status der Nutzer, letztes Review-Datum. Das KI-Verzeichnis ergänzt das DSGVO-VVT, ersetzt es nicht.
Muss ich Mandanten informieren, wenn ich KI für Schriftsätze nutze?
Art. 50 KI-VO verlangt rechtlich ab 02.08.2026 eine Kennzeichnung bei bestimmten KI-Outputs, insbesondere wenn diese für eine breite Öffentlichkeit erstellt sind oder den Eindruck menschlicher Urheberschaft erwecken (nach Trilog-Einigung zum Digital Omnibus on AI vom 7. Mai 2026 voraussichtlich verschoben auf 02.12.2026, formelle Annahme ausstehend). Für interne Mandanten-Korrespondenz ist die Kennzeichnung nicht in jedem Einzelfall zwingend, aber aus Berufshaftpflicht- und Verschwiegenheits-Sicht stark empfohlen. Sinnvoll: pauschaler Hinweis in der Mandatsvereinbarung + situative Kennzeichnung bei wesentlichen Schriftsätzen.
Wer ist Anbieter, wer Betreiber, wenn DATEV/Addison die KI bereitstellt?
DATEV / Wolters Kluwer (Addison) sind Anbieter im Sinne von Art. 3 Nr. 3 KI-VO — sie bringen das System auf den Markt. Die Steuerkanzlei ist Betreiber (Art. 3 Nr. 4) — sie setzt das System unter eigener Aufsicht ein. Die Pflichten sind verschieden: Anbieter erstellt Konformitätsbewertung, technische Dokumentation, Risikomanagement (Art. 9-15). Betreiber muss Mitarbeiter schulen (Art. 4), das System gemäß Anweisungen einsetzen, Inputdaten passend wählen, Aufsicht ausüben, Logs aufbewahren (Art. 26). Beide Rollen können sich verschieben, wenn die Kanzlei das System wesentlich anpasst.
Hinweis zum Leistungsumfang
Das AI-Act-Compliance-Kit ist eine technisch-organisatorische Hilfestellung zur Umsetzung der KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4 der EU-Verordnung 2024/1689 (KI-VO) und ersetzt keine Rechtsberatung. Vorlagen, Schulungsinhalte und Dokumentationen sind redaktionell sorgfältig erstellt, können aber den Einzelfall nicht ersetzen. Für eine rechtsverbindliche Bewertung Ihrer konkreten Situation empfehlen wir die Hinzuziehung einer Rechtsanwältin oder eines Rechtsanwalts mit Schwerpunkt IT- und Versicherungsrecht. Stand der Inhalte: Mai 2026, Quelle: Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-VO).
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Vertiefungen
Jede der 5 Sub-Pillars geht in die Tiefe — von der Sanktions- Tabelle bis zur Audit-Mappe für die StBK.
Bußgelder & Haftung
Sanktions-Staffel KI-VO + StBerG + § 203 StGB im Detail.
KI-Kompetenznachweis (Art. 4)
Was eine StBK-prüfungsfeste Schulung enthält.
Output-Kennzeichnung (Art. 50)
Wann KI-Hinweis im Mandanten-Schriftsatz Pflicht wird.
Anhang-III-Klassifizierung
Wann KI in der Kanzlei als Hochrisiko-System gilt.
Dokumentation StBK
KI-Verzeichnis + VVT + Audit-Mappe StBK-fertig.
KI-VO im Originaltext
Verordnung (EU) 2024/1689 — eur-lex.europa.eu
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